Mehr über Kwon Ki Do

Kwon Ki Do

Mehr über Kwon Ki Do

Letztendlich entstand Kwon Ki Do aus der Idee heraus, eine Kampfkunst zu entwickeln, die wenig verschlüsselt ist, moderne Anwendungen von Techniken mit alten traditionellen Prinzipien verbindet und welche man unabhängig von Alter, Geschlecht und eventuellen Gebrechen, sein Leben lang üben und anpassen kann.


Der Grundstein wurde im Jahre 2006 gelegt und Kwon Ki Do ist noch lange nicht fertig. Es lebt, wie jede gute Kampfkunst, von stetigem offen sein gegenüber anderen Künsten, dem regelmäßigen Üben und Trainieren sowie der absoluten Bereitschaft zur Gewaltlosigkeit. Viele werden sich vielleicht die Frage stellen wie es vereinbar ist, eine Kunst zu praktizieren, bei welcher man Bretter zerschlägt, auf Pratzen schlägt und tritt, oder mit einem Schwert Schnittübungen macht und man dann Gewaltlosigkeit als eines der obersten Prinzipien lebt und vertritt.


 Man kann eine Einleitung zur Erklärung dieses Prinzips am besten mit einem Zitat von Hermann Hesse beginnen:


"Die Gewalt ist das Böse und die Gewaltlosigkeit der einzige Weg derer, die wach geworden sind.

Dieser Weg wird niemals der aller sein und niemals der der Regierenden und derer,

die die Weltgeschichte machen und die Kriege führen.

Die Erde wird nie ein Paradies und die Menschheit nie mit Gott Eins und versöhnt sein.

Aber wenn man weiß, auf welcher Seite man steht, lebt man freier und ruhiger.

Immer muß man auf Leiden und Vergewaltigung gefaßt sein, niemals darf man selbst zum töten bereit sein."


Hermann Hesse


Um ein noch tieferes Verständnis über diesen Leitsatz zu schaffen,

möchte ich hier mit der Interpretation über "Karate ni sente nashi - Im Karate gibt es keinen ersten Angriff"

von Sensei Werner Lind fortfahren.


Selbstverständlich gilt dieser Leitsatz nicht nur für Karate, sondern auch für das Kwon Ki Do:


Dieser Leitsatz (kaisetsu) ist einer der bekanntesten in der Literatur des budō.

Er wurde von Meister Funakoshi Gichin in das Karate gebracht (karatedō nijūkkajō und shōtō nijūkun),

stammt jedoch ursprünglich aus dem japanischen bushidō, wo er besagte,

dass ein Samurai in jeder Situation einen beherrschten Geist bewahren muss und das Schwert

nicht wegen jeder Provokation oder Kleinigkeit ziehen darf.


Durch diese Regel wird der Übende an die Bedeutung des ruhigen und kontrollierten Geistes (heijōshin kore michi) erinnert,

durch den sich in den Kampfkünsten der reife Meister vom Anfänger unterscheidet.

Im karatedō wurde die Bedeutung erweitert. Sie passte sich der stärker ausgeprägten philosophischen Tendenz

des budō an und verkörpert darin den Wunsch des in den Kampfkünsten gereiften Menschen nach Frieden und Harmonie.

In den kata des karatedō wird dies symbolisch verdeutlicht, indem jede erste und letzte Technik eine Abwehr ist.


Erste Bedeutung


Karate ni sente nashi wird auch im modernen budō häufig als Dōjō-Leitsatz verwendet,

aber selten beachtet. Im ursprünglich traditionellen Sinn, in dem dieser Leitsatz gegründet wurde,

enthielt er zwei philosophische Aspekte. Zum ersten zeigt er an,

dass die Kampfkünste zur Selbstverteidigung und nicht zum Wettbewerb gedacht sind,

in dem eine zu große Betonung auf der Taktik von Angriffstechniken liegt.


Die traditionellen Meister sehen in den akzentuierten Angriffsübungen der sportlichen Varianten

eine Verletzung dieses Prinzips und ein schwaches Kampfkunstpotential,

da sie im Übenden falsche innere Haltungen hervorrufen, die dem Geist des budō widersprechen.

Meister Funakoshi selbst erlaubte nie die Übung von Angriffstechniken im Training.


Diese Interpretation des Leitsatzes ist mit der Budō-Philosophie des sen no sen und go no sen verbunden.

Das Ergreifen der Initiative in gleich welcher Selbstverteidigungssituation ist lebensnotwendig.

„Es gibt keinen ersten Angriff“ bedeutet aber, dass ein Kampfkunstexperte in der Selbstverteidigung nie angreift,

sondern abwehrt und im äußersten Ernstfall kontert. Das Maß einer Selbstverteidigungshandlung

wird vom Geist bestimmt, und deshalb hängt die Verwirklichung von karate ni sente nashi

eng mit der Entwicklung eines gerecht empfindenden Geistes zusammen (karate wa gi no tasuke).

Zum zweiten drückt der Spruch den friedvollen Geist des in den Kampfkünsten gereiften Menschen aus,

der Bescheidenheit und friedliches Zusammenleben vor egoistische Ziele stellt.

Die Praktiken des Wettbewerbs, Siege nach Punkten zu erringen und auf diese Weise den Besten zu ermitteln,

werden als Verletzung dieses Prinzipes bezeichnet, da sie für einen reifen Geist unwürdig

und für einen naiven Geist verantwortungslos sind.

Karate unter diesem Zeichen zu unterrichten, gilt als Umkehr seines Sinnes und als Verletzung der Ethik.


Zweite Bedeutung


Die zweite Bedeutung bezieht sich nicht nur auf die Kampfkünste, sondern auf die allgemeine Haltung (shisei)

des Menschen gegenüber dem Leben. Das friedliche Zusammenleben der Menschen ist nach wie vor ein akutes Problem,

dessen Bewältigung weit mehr in der Reife und dem Willen zum Frieden im einzelnen liegt

als in der Suche nach übergeordneten Auswegen.

Häufig setzen Menschen den Frieden als von ihnen unbeeinflussbares politisches Ereignis voraus,

doch in Wirklichkeit ist er ein Resultat ihres kleinen Wollens und beginnt in den unscheinbaren Handlungen des Alltags.

Karate ni sente nashi verweist darauf und mahnt den Menschen zur Selbstbesinnung und zu friedlichen Alternativen.

Geistiges Wesen zu sein bedeutet, diese Alternativen zu suchen und zu finden,

denn sie sind die Zukunft von morgen. Der Grund, warum der Wettkampf als Verletzung dieses Prinzips gilt,

ist der dem budō entgegengesetzte Geist, der durch seine Ziele gefördert wird.


Im budō übt sich der Mensch, um sich selbst zu besiegen, im Wettkampf übt er sich, um andere zu besiegen.

Die Ziele des Wettkampfes betonen eben jene Formen der Selbstverwirklichung im Streben,

die durch die Übung des budō unter Kontrolle gebracht werden sollen, weil sie in ihren verschiedenen Facetten als die Ursache des Ungleichgewichtes gelten, das vom unreifen menschlichen Geist angerichtet wird.


Beispiele aus dem Leben


Meister Funakoshi spricht diesbezüglich vom „Mann des Tao“, von dem er sagt,

dass je mehr Ehre oder Verdienste er erreicht, umso unscheinbarer und unwichtiger er sich selber hält:


„Wenn ein Mann des Tao den ersten Dan erhält, wird er voller Dankbarkeit seinen Kopf beugen.

Wenn er den zweiten Dan erhält, wird er seinen Kopf und seine Schultern beugen.

Wenn er den dritten Dan erhält, wird er sich tief bis zur Hüfte beugen und still nach Hause gehen,

damit ihn keiner sieht. Wenn der kleine Mann seinen ersten Dan erhält,

wird er nach Hause laufen und es jedermann erzählen.

Erhält er seinen zweiten Dan, wird er auf die Dächer klettern und es jedem zurufen.

Erhält er seinen dritten dan, wird er in sein Auto springen und hupend durch die Stadt fahren.“


In diesem Beispiel liegt die gesamte Erklärung des karate ni sente nashi.


Quelle: Budopedia -

http://www.budopedia.de/wiki/Karate_ni_sente_nashi



Ein weiterer wichtiger Leitsatz des Kwon Ki Do ist " WAZAWAI WA GETAI NI SHOZU -

Unglück entsteht immer durch Unachsmkeit".


"Was Menschen Glück und Unglück nennen,

ist nur der rohe Stoff dazu;

Am Menschen liegt's, wozu er ihn formt."


Otto Ludwig


Die Aufmerksam- oder Achtsamkeit in den traditionellen Kampfkünsten wird 

auch mit "Zanshin - wachsamer oder aufmerksamer Geist" beschrieben.

Doch was ist das und was bedeutet es? Man kann diesen Begriff in den Kampfkünsten

erklären und auch im Alltag. Im Endeffekt wollen beide Erklärungen auf den gleichen Weg führen:


Zanshin – Die Aufmerksamkeit


Du sollst die Haltung eines Tigers haben und nicht die eines schlafenden Schweins

heißt es in der Philosophie des budō. Das schlafende Schwein kann nichts für seine Haltung,

doch der budōka ist für sich selbst verantwortlich.


"Unglück geschieht immer durch Unachtsamkeit" sagte Meister Funakoshi.

Es beginnt mit den unscheinbaren Situationen im Leben, in denen durchaus liebenswürdige Menschen

gegenseitige Beziehungen verletzen, weil sie es versäumen, im richtigen Moment das Richtige zu tun.

Es pflanzt sich fort, wenn Menschen liebgewonnene Freundschaften verlieren,

weil sie sie durch Unaufmerksamkeit nur noch oberflächlich pflegen.


Und es endet damit, dass ein ständig unkonzentrierter Mensch vor anderen wenig gilt,

da man außer oberflächlichen Angelegenheiten mit ihm keine Bindungen eingehen kann.

Der Mangel an Aufmerksamkeit ist kein natürlicher Zustand, sondern eine schlechte Angewohnheit.

Ein karateka kann seine Aufmerksamkeit durch Übung immer verbessern.


Wenn er aber sicher sein will, dass ihm alles misslingt, braucht er nur immer unaufmerksam zu sein.


Zanshin in den Kampfkünsten


In den Kampfkünsten bedeutet zanshin der Zustand des Geistes, aus dem heraus man in der Lage ist,

unbefangen und frei vom Ende einer Bewegung in die nächste überzugehen.

In diesem Zustand konzentriert sich der Geist ganz in der Gegenwart.

Wenn man in einer wirklichen Kampfsituation den Geist durch irgendeinen Umstand fixiert,

bedeutet dies den sofortigen Verlust des zanshin und gleichzeitig auch die Niederlage.


Man muss es lernen, sich so vollkommen auf seine Handlungen zu konzentrieren,

dass man zur unstörbaren Einheit mit seinen Bewegungen wird.

Eins mit der Bewegung zu sein, so dass keine Kraft von außen diese Einheit zerstören kann,

das ist der Zustand von zanshin.


Ein Ausdruck von zanshin ist es nicht, wenn sich der Körper in Wartesituationen ungeduldig verspannt

oder wenn die Aufmerksamkeit nach der Handlung auf den Nullpunkt sinkt.

Nach außen hin ist zanshin von neutralem Ausdruck und strahlt gelassene Ruhe aus.

Die Aufmerksamkeit ist eine innere Bewegung, die ein Meister der Kampfkünste zulassen kann,

um sich in die Bereitschaft zu versetzen, jede äußere Bewegung wahrnehmen und auf sie reagieren zu können.


Zanshin drängt sich der Situation nicht auf, sondern ermöglicht dem Übenden die perfekte Anpassung an die Situation.

Ein äußerer Ausdruck von aggressiver Ungeduld und Willensspannung ist das Gegenteil von zanshin.


Ursprung von Zanshin aus dem Zen-Buddhismus


Der Zen-Buddhismus oder zen zielt immer auf das Handeln im gegenwärtigen Augenblick,

und umfasst auf diese Weise Gefühl, Denken und Empfinden.

Dadurch ist eine der wichtigsten Aufgaben des Zen Schülers die fortgesetzte,

vollständige und bewusste Wahrnehmung des gegenwärtigen Moments,

eine vollständige Achtsamkeit ohne eigenes Urteil.


Diesen Zustand soll der Zen-Schüler nicht nur während der Meditation (zazen),

sondern in jedem Augenblick seines Lebens beibehalten.

Als im Jahr 12. Jahrhundert der Zen nach Japan kam fand er besonders Anhänger unter den Samurai,

die mit Zen lernten, nicht mehr um jeden Preis am Leben festzuhalten.


Hierdurch floss das Wesen des Zen in die Kampfkünste.

Die Erkenntnis der absoluten Realität war somit auch eines der wichtigsten Lehrinhalte der Samurai.

Im Zen nennt man diesen Zustand Satorie. In den Kampfkünsten ist Zanshin, Mushin und Isshin

mit diesem Zustand verbunden. Die Verknüpfung all dieser drei Zustände trägt den Namen Kokoro.


Zanshin im Alltag


Im Alltag zanshin zu bewahren bedeutet in allem was wir tun

(arbeiten, essen, Geschirr spülen, in Beziehungen mit anderen usw.) gegenwärtig zu sein.

Kein Gedanke verweilt in der Vergangenheit oder Zukunft.


Man ist präsent. Im Hier und Jetzt. Durch diese Haltung gibt es keine Anhaftung

mehr an Dinge, Personen oder Wunschvorstellungen. Der Geist ist leer (mushin).

Man könnte auch sagen, dass Zanshin ein Wächter über unsere Gefühle und Gedanken ist.

Immer wenn wir von dem was wir tun abweichen, weil unsere Gedanken oder Emotionen uns vom Jetzt ablenken,

ist er es, der uns aufweckt und zurück in die Präsenz bringt.


„Der höchste Mensch gebraucht sein Herz wie einen Spiegel.

Er geht den Dingen nicht nach und geht ihnen nicht entgegen; er spiegelt sie wider,

aber hält sie nicht fest. Darum kann er die Welt überwinden und wird nicht verwundet.

Er ist nicht der Sklave seines Ruhms; er hegt nicht Pläne; er gibt sich nicht ab mit den Geschäften;

er ist nicht Herr des Erkennens. Er beachtet das Kleinste und ist doch unerschöpflich

und weilt jenseits des Ichs. Bis aufs Letzte nimmt er entgegen, was der Himmel spendet,

und hat doch, als hätte er nichts. Er bleibt demütig.“


- Zitat aus: Wilhelm, Dschuang Dsi – Das wahre Buch vom südlichen Blütenland.


Quelle: Budopedia -

http://www.budopedia.de/wiki/Zanshin



Kleiderordnung und Gurtsystem


Alle Schüler (Deshi) tragen von Anfang an einen schwarzen Gurt

und einen Schwarzen Gi / Dobok.


Man beginnt mit dem weißen Streifen, dem 10. Kyu / Gup, der auf den Gurt aufgebracht wird.

 

10. Kyu/ Gup - Weiß


9. Kyu / Gup - Gelb


8. Kyu / Gup - Gelb/Orange


7. Kyu / Gup - Orange


6. Kyu / Gup - Orange/Grün


5. Kyu / Gup - Grün


4. Kyu / Gup - Grün/Blau


3. Kyu / Gup - Blau


2. Kyu / Gup - Blau/Braun


1. Kyu / Gup – Braun

 

Schwarz 1.- 10. DAN



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